FGB - mal anders



Wer ist der Boss

Geschrieben von: Alois Müller, am 21.03.2013 13:57 Uhr

Wer ist der Boss

Als Gott der Herr im Paradies
den Menschen Adam laufen ließ,
gerade frisch und neu erschaffen,
nicht zu vergleichen mit den Affen,
die ringsum auf den Bäumen saßen,
erblickte doch gewissermaßen
der Mensch sich selbst zum ersten Mal
und sagte sich - das war fatal!

"Wer bin ich, wer hat mich erdacht?
Wer hat mich konstruiert, gemacht?
Was unterscheidet mich vom Tier,
was ist das Wichtigste an mir?"

Da spricht der Kopf, vielmehr die Stirn:
"Das Wichtigste ist das Gehirn.
Denn niemand außer mir kann denken
und so den ganzen Körper lenken.
Ich bin der Boss - ich ganz allein."

Da sprach das Herz: "Das kann nicht sein,
denn das Gehirn kann ohne Frage
nicht denken, wenn ich nicht mehr schlage.
Der Manager, der Boss bin ich."

Die Lunge meinte:
"Eigentlich bin ich, im Brustkorb eingezwängt,
doch die, an der doch alles hängt.
Bring ich den Sauerstoff nicht her
für Herz und Hirn - dann geht nichts mehr.
Infolgedessen meine Lieben, bin ich der Boss."

Weit übertrieben rief da die Leber, denn bedenkt
- wer euer Leben lenkt.
Denn ohne mich - Organe hört -
ist euer Dasein bald gestört.
Nur ich entgifte ganz im Stillen
den Körper um des Lebens Willen.
Kein Zweifel hier - ich bin der Boss.

Die Niere, die das sehr verdross,
erklärte hiernach im Duett
- weil`s zwei doch sind: Es ist nicht nett,
mir einfach hier die Show zu stehlen.
Ich kann es nicht verhehlen,
das doch der Mensch nur leben kann
durch mich! Und darauf kommt es an
und eben drum bin ich der Boss.

Worauf man allerseits beschloss
- wie stets bei solchen Streitigkeiten,
nunmehr zur Abstimmung zu schreiten.

Nun sitzt am Steißbein
unten doch
ein etwas ordinäres Loch.

Das hatte schweigend zugehört
und die Debatte nicht gestört.
In diesem Augenblick jedoch
rief das bereits erwähnte Loch:
"Ich Loch, ich Loch, ich ganz allein,
will hier der Boss vom Ganzen sein!"

Da mussten alle furchtbar lachen
und riefen: "Was sind das für Sachen!
Du als Boss - nicht auszudenken!
Du kannst doch den Betrieb nicht lenken.
Du bist doch haupt- und nebensächlich
vom Namen her schon unaussprechlich!"

Das Loch war darob sehr empört,
weil Lachen solche Löcher stört.
Es fühlte sich halt angegriffen
und hat sich selber zugekniffen
und unterband in seiner Rage
die sonst so übliche Passage.

Schon bald darauf stand dem Gehirn
der Schweiß buchstäblich auf der Stirn.
Das Blut fing an sich zu verseuchen,
die Lungen konnten nur noch keuchen,
hilflos begannen nun die Nieren
sich gegensetig anzustieren.

Und auch die Leber revoltierte,
weil ihre Galle opponierte.
Sogar das Herz schlug schnell und schneller
infolge Lochverschluss im Keller.

Da wandten die Organe sich
an das Gehirn ganz flehentlich
und riefen: "Mach das Loch zum Boss,
den Zustand hier erträgt kein Ross!"

Das Loch, als Boss noch so verklopft,
erträgt man leichter als verstopft!
Da überlegte das Gehirn
und runzelte dabei die Stirn
und kalkulierte messerscharf,
dass oft sein muss, was nicht sein darf.

Und also wählt am End` man doch
zum Boss das vielzitierte Loch.

Bei diesem Zustand meine Lieben,
ist es bis heute auch geblieben.
Organe haben nichts zu lachen,
sie schuften, dass die Schwarten krachen.
Was aber tut der Boss, das Loch?
Es produziert halt immer noch,
wie das bei Bossen üblich ist,
nur haufenweise großen Mist.