Gastbeitrag

Gastbeitrag von Dietrich Graf von Nesselrode (von 1997 bis 2009 Vorsitzender des Waldbauernverbandes Nordrhein-Westfalen)


Gewerbliches Sammeln von Pilzen


Jahr für Jahr werden große Teile der Eifel, aber auch andere Landesteile in NRW in den Herbstmonaten systematisch von Pilzsuchergruppen abgesucht. Ziel der Suche ist besonders der Steinpilz. Steinpilze sind Mykorrhiza-Pilze: Diese gehen Partnerschaften mit anderen Pflanzen, auch Bäumen ein, was für die Waldbäume durchaus Vorteile hat: Verbesserte Wurzelatmung durch Steigerung der biologischen Aktivität oder durch Umsetzung des Luftstickstoffs in verwertbare Stickstoff-Verbindungen. Pilze sind wichtig für den Wald; ihr flächendeckendes Absammeln schädlich und deshalb verboten (s.unten, Text: in grau). Mykorrhiza Pilze sind nicht oder nur kaum züchtbar. Das macht sie so teuer, da sie in freier Natur gesucht und gesammelt werden müssen. Dies wiederum macht ihren hohen Wert aus: Für das Kilogramm getrockneter Steinpilze lassen sich im Internet Preise von 60-70 Euro ermitteln; ihr Preis auf den Großmärkten dürfte bei 50 Euro pro Kilo liegen.


Diese Umstände führen dazu, dass ganze Waldgebiete von gewerblichen Pilzsammlern regelrecht ausgeplündert werden. Die Pilzsammler treffen sich bereits in den frühen Morgenstunden, teilweise noch bei Dunkelheit, um ihre als „Frische Steinpilze aus der Eifel“ deklarierte Ware rechtzeitig auf den Märkten in der Region verkaufen zu können. Sie sind mit Stirnlampen, Trillerpfeifen und Funkgeräten ausgestattet. Allein an einem Sonntagmorgen wurden von der Polizei in der Eifel rund 40 kg Steinpilze sichergestellt, gesammelt von zwei Gruppen. Eine 5-köpfige Gruppe hatte am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, 64 Kilogramm dabei. Bei einem Kilopreis von 50 Euro dürfte sich der Marktwert auf 3.200 Euro belaufen; - es geht also richtig um Geld!


Natürlich lässt sich niemand eine so wertvolle Beute gern streitig machen. Harte Methoden gehören deshalb zum Geschäft. Dies musste auch ein Privatförster erfahren: Bei Scheuren im Stadtgebiet von Bad Münstereifel war er auf vier Männer aufmerksam geworden, die auf einem Waldparkplatz große Mengen von Pilzen in ein Auto verluden. Beim Versuch, die Personalien zu ermitteln, wurde der Förster mit einem Messer bedroht und anschließend mit dem Auto angefahren, sodass er sich verletzt ins Krankenhaus begeben musste. Am 16. Oktober berichtete die Bild-Zeitung über den Vorfall; Überschrift: „Pilz-Mafia plündert deutsche Wälder!“.


Ohne staatliche Unterstützung wird es nicht gelingen, dem ausufernden Absammeln der Wälder Einhalt zu gebieten. Wanderparkplätze und Wegeeinmündungen sind besonders beliebte Ausgangspunkte für Sammelgruppen. Hier müssen Kontrollen stattfinden. Der geschilderte Vorfall zeigt, dass dabei Unterstützung durch die Polizei notwendig ist.


Der Waldbesitzer selbst kann, wenn er derartige Verstöße bemerkt, scheinbar gar nichts tun: Nach einer Rechtsauskunft des Landesbetriebes Wald und Holz kann er verbotswidrig gesammelte Pilze nicht herausfordern, weil das Zugriffs-, Besitz- und Vermarktungsverbot auch für ihn gilt. Auch stelle das Verbot gegen das eingeschränkte Pilzesammeln keine Straftat dar, sodass der „Jedermann-Paragraph“ (§ 127 der Strafprozessordnung) nicht anwendbar ist. Selbst Personen, die als Vollzugskräfte bestellt sind, können nach der Auskunft nicht einschreiten, weil ihre Befugnisse nur den Forst- und Jagdschutz, nicht aber Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz oder die Bundesartenschutzverordnung umfassen. (DN 11/2013)


§ 61 Abs 2 des Landschaftsgesetzes NRW bestimmt: 
„Es ist verboten, Beeren, Pilze und wildlebende Pflanzen nicht besonders geschützter Arten in mehr als nur geringer Menge für den eigenen Gebrauch zu sammeln“. Als erlaubte Menge wird allgemein angenommen: 2 Kilogramm pro Tag und Sammler. Bereits diese Vorgabe ist hoch und kann zur Entnahme großer Mengen führen!



 

Gastbeitrag von Dietrich Graf von Nesselrode (von 1997 bis 2009 Vorsitzender des Waldbauernverbandes Nordrhein-Westfalen)


Rotwild-Monitoring in der Eifel


Große zusammenhängende Waldgebiete gibt es in den Eifelgemeinden Bad Münstereifel, Nettersheim, Blankenheim, Dahlem und Hellenthal. Alle diese Gemeinden besitzen große Waldflächen und zum Teil auch Forstbetriebe mit eigenem Forstpersonal. In den letzten Jahren häuften sich die Klagen über massive Rotwild-Schäden, auch aus den angrenzenden Privatwäldern. Dies hat die Eifelgemeinden veranlasst, ihre Wälder mehrfach zu überfliegen und Wildzählungen aus der Luft mit Hilfe von Infrarotkameras durchzuführen. Gleichzeitig wurden auch terrestrische Erhebungen mit speziell ausgerüsteten Geländewagen durchgeführt. Dabei wurden Rotwilddichten von über 10 Stück auf 100 Hektar bei gleichzeitig sehr hohen Rehwildbeständen ermittelt. Als Konsequenz dieser Erhebungen sind Gespräche mit den Jagdpächtern vorgesehen. Ziel sei eine erhebliche Reduktion des Rotwildes. „Wir müssen auf jeden Fall von dem viel zu hohen Wildbestand runter“, erklärte der Dahlemer Bürgermeister Reinhold Müller. Besonders weibliches Rotwild müsse viel stärker bejagt werden. Um eine effiziente Kontrolle zu gewährleisten, wird wohl ein „körperlicher Nachweis“ des erlegten Wildes eingeführt. Unzufrieden mit dem Ergebnis der Rotwildzählung ist die Jägerschaft: Die Jäger fühlen sich „zu Sündenböcken gemacht“. Ursächlich für die Wildbestände seien „Wanderbewegungen“ des Rotwildes. Dies jedoch ist nicht glaubwürdig, denn mittlerweile werden in allen Teilen der Eifel bis weit in die Rheinland-Pfälzische Südeifel wesentlich zu hohe Rotwildbestände festgestellt. (DN 10/2013)

Eschenbestand in einem Privatforstbetrieb in Nettersheim, Neuaufforstung nach Vivian/Wiebke 1990: Totalschaden durch Rotwildschälung, Juli 2013.